Theo’s Wein-Moritat
Typisch Deutsch, und das ist richtig,
muß es was Besonderes sein.
Liebt aus and’ren Ländern süchtig
lechzend diesen bess’ren Wein.
Griechen, Römer und Ägypter
bauten erstmals Trauben an.
Die Kultur hat hier vermittelt,
und man nahm sie freudig an.
Denn beim Trinken dieser Weine
denkt der gute deutsche Mann,
er sich mit den alten Völkern
irgendwie auch messen kann.
Er trinkt Wein aus der Ägäis,
das tut seinem Ego gut,
denn das Denken an Gott Bacchus
bringt dann Wallung in sein Blut.
Die Kampfeslust des alten Cäsar
steigt In seinen Adern auf,
Kleopatra gedanklich tragend
auf den höchsten Berg hinauf.
Auch Napoleon, den wollt er mimen
bei ,nem schönen Glas Bordeaux,
doch in seinem Fernsehsessel
ist er heimlich wirklich froh –
daß das Hanseat’sche Weinkontor
bringt Getränke vor sein Tor.
Nicht genug all dieser Weine,
,,Neue Welt“ ist angesagt,
denn auch dort gibt es ganz Feine,
die man trinke! Tag für Tag.
Von Australien unverdrossen
holt man sich den Chardonnay,
den die Metro ausgegossen,
günstig noch – Herrjeminee!
Auch die Burenafrikaner
fanden dann sehr schnell heraus,
daß die Deutschen alles trinken
zu dem lieben Festtagsschmaus.
Hochgelobt die Journalisten,
die dem Ganzen pflichten bei
unter ständigem Gerufe:
,,Nur herein, herbei, herein!“
All dem Überfluß noch folgend
kommt die deutsche Kellerei,
die auch schöpft aus günstig Vollern
immer ruft: ,,Herein, herbei!“
Auch noch letztlich zu erwähnen
unser guter Supermarkt,
der uns allen eingetrichtert,
daß nur der Verbraucher spart.
Denn er soll nur heftig trinken
von dem Sonderangebot,
daß in seinen eig’nen Kassen
herrschet niemals wirklich Not..
Es sei einmal zugegeben,
billig ist nicht immer schlecht –
aber leben und leben lassen
ist ein ganz vernünftig Recht.
Auch so mancher gute Winzer
macht den besten Ruf kaputt,
verschleudert billigst feine Weine
und er gar nichts ernten tut.
Beifall kann man da icht finden,
wo doch wirklich jeder weiß
– in der Werbung oft besprochen –
Qualität hat ihren Preis.
Ins Gedächtnis sei gerufen,
Deutscher Wein ist heut‘ platziert.
Auch zu jedem guten Essen
er sich bestens integriert.
Fülle, Frucht, enorme Reife,
feines Spiel pikanter Säure,
alles aus dem kleinen Land.
Doch nur wenige wissen’s zu schätzen,
es ist beinah eine Schand!
Schließ! zusammen eine Mauer,
frönt dem heim’schen Traubengut.
Der Verband der Deutschen Winzer
es Euch herzlich danken tut.
Wir zeigen uns doch lernbegierig,
bauen Wein verschieden aus,
wollen Euch die Sonne bringen
mit dem Wein in Euer Haus.
Honoriert den Weinanbauer,
der bepflanzet die Natur
mit den vielen schönen Reben,
herrlich hohe Weinkultur!
Leben, Lachen, sinnvoll Feiern,
Menschen voll von Tatendrang
gibts beim Wein in Hüll‘ und Fülle,
denke! immer stets daran.
Schön nach arbeitsreichen Tagen,
lehnt man sich bequem zurück.
Schluck für Schluck bringt Wonnetropfen
verbrauchte Kräfte schnell zurück.
Ei! Er bringt uns auch Ideen
voll mit Bildern bunt und schön.
Schließ! die Augen um zu sehen,
und laßt sie still vorüberziehn.
Oder spring von Deinem Stuhle,
berstend und zum Kampf bereit,
Hol ein Weib an Deine Seite,
Friede, Freude, Zweisamkeit.
Die Moritat mit vollen Lungen
bläst den Odem aus sich raus.
Morde! nicht den Deutschen Winzer
mit fremden Wein in Eurem Haus.
Erst wenn Ordnung der Gedanken
in uns schließlich eingekehrt,
ist der Umgang mit den Weinen
auch für uns ganz unbeschwert.
Denken wir doch an Europa
und an des Franzosen Stolz
Erst wird dort der Wein getrunken,
der da wächst am eignen Holz. –
Sind wir erst so weit gediehen
mit dem Denken aus eigner Kraft
haben wir mit unsren Gläsern
Freud‘ und Freunde uns gemacht.
Stimmt drum ein in diesen Chor
bei unserm Wein wächst Mordshumor!







